Politik lebt vom Dialog – Meine diesjährige Sommertour 2015 im Wahlkreis

Nah dran

Auch dieses Jahr nutze ich die „Berliner sitzungsfreie Zeit“ für Besuche und Gespräche mit verschiedenen Einrichtungen und Betrieben in meinem Wahlkreis. Meine diesjährige Sommertour steht dieses Mal im Zeichen von drei Schwerpunktthemen:

  • Maritime Wirtschaft: Die maritime Wirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsmotor in unserer Region. Viele kleine und mittelständische Betriebe, aber auch zentrale Logistikstandorte prägen diesen Wirtschaftszweig. Der Seehafen Kiel ist beispielsweise ein Rückgrat der maritimen Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Auch die vielen Zuliefererbetriebe – wie beispielsweise im Bereich der Offshore-Windenergie – schaffen neue Arbeitsplätze in der Region.
  • Pflege & Familie: Unsere Gesellschaft befindet sich in ständigem Wandel. Wir Menschen werden älter, sind aber immer häufiger von Pflegebedürftigkeit betroffen. Gleichzeitig wandelt sich das Bild von Beruf und Familie. Die Vereinbarkeit von Karriere, Kinderbetreuung und Pflege herzustellen, ist bereits heute eine gesellschaftliche Herausforderung.
  • Ehrenamtliches Engagement: Das Ehrenamt hält unsere Gesellschaft zusammen. Daher widmet sich der dritte Themenbereich der Sommertour wie im Vorjahr dem großartigen freiwilligen Engagement in der Region.

Hier nun meine persönlichen Eindrücke von den Besuchen und Gesprächen vor Ort in chronologischer Reihenfolge. Viel Freude beim Lesen!

Besuch bei der Seehafen Kiel GmbH & Co. KG

Gruppenbild„Kieler Hafen als Dreh- und Angelpunkt zwischen Produktionsstätten und Weltmärkten.“ Der erste Tag meiner Sommertour stand ganz im Zeichen meines vertrauten Themas als zuständige Berichterstatterin meiner Fraktion für den Seeverker. Gemeinsam mit Jürgen Weber und Bernd Heinemann aus dem Landtag habe ich ein intensives Gespräch mit der Geschäftsleitung des Seehafens Kiel geführt. Geschäftsführer Dr. Dirk Claus erläuterte uns die vielen Facetten der Angebote des Kieler Hafens und seine Bedeutung als Logistikstandort. Ob Fracht, Fährverkehr oder Kreuzfahrt: Der Kieler Hafen lebt von einer Vielfältigkeit. Den meisten Umsatz macht das städtische Unternehmen mit dem Frachtgeschäft. Von Kiel aus werden Güter nach ganz Deutschland und bis nach Italien weiter transportiert – oder in die Gegenrichtung nach Skandinavien und ins Baltikum. Daher sind gute Hinterlandanbindungen für den Hafen überlebenswichtig. Mit Blick auf unsere Umwelt begrüße ich es sehr, dass der Seehafen Kiel so viel Verkehr wie möglich auf die Schiene verlagert. Daher müssen wir von politischer Seite alles dafür tun, dass eine gute Schienenanbindung weiter ausgebaut wird. Neben der Fracht ist auch der Kreuzfahrt- und Fährverkehr für die Region von unschätzbarem Wert. Schließlich bringen die Touristen jährlich mehr als 30 Millionen Euro Kaufkraft nach Kiel. Zudem sind die täglichen Verbindungen nach Skandinavien und der Kreuzfahrtbetrieb ein wichtiges Aushängeschild.

Damit an den wichtigen Logistikdrehkreuzen wie den Seehäfen kein Fachkräftemangel entsteht, ist eine gute und fundiere Ausbildung unerlässlich. Daher interessierte mich im Gespräch auch die Arbeitskräftesituation im Hafen. In den vergangenen 10 Jahren ist die Belegschaft von 90 auf 250 Mitarbeiter gewachsen. Dabei sind viele hochspezialisierte Arbeitsplätze entstanden. Zum Abschluss kam das Gespräch noch auf die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftssanktionen gegen Russland auf den Umschlag im Hafen Kiel. Diese sind beim Verkehr in Richtung Baltikum für Kiel deutlich spürbar. Zwar kann der Hafen den Ausfall noch durch andere Märkte abfedern. Langfristig kann hier jedoch nur eine politische Lösung für den derzeitigen Konflikt die Situation verbessern. Herzlichen Dank an Herrn Dr. Dirk Claus und seine Mitarbeiter für das informative Gespräch. Ich nehme viele Impulse für meine Arbeit mit nach Berlin.

Hospitation im Pflegeheim St. Anna in Schwentinental

Pflege einmal aus einer anderen Perspektive: Heute Morgen habe ich die Frühschicht im St. Anna Altenheim in Schwentinental begleitet. Um halb sieben hieß es erst einmal Informationsaustausch mit der Nachtschicht. Dann ging die Arbeit los und ich habe die Ordensschwester Raima und Frau Boock, Leiterin der Wohngruppe, begleitet. Ich war beeindruckt von der Geduld und Fürsorge der Pflegerinnen für jeden einzelnen Bewohner. Dabei wurde mir noch einmal deutlich, dass Pflege etwas sehr individuelles und persönliches ist. Denn so individuell wie jeder Bewohner ist auch der Anspruch an die Pflege jedes einzelnen.

Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist immer bei jedem Bewohner ein anderer. Manche brauchen viel Hilfe, andere schaffen noch alles alleine. Wie Frau Nagel, die mit ihren 91 Jahre sehr fidel ist. Der Besuch und die Gespräche vor Ort haben mir verdeutlicht: Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet sein, dass die individuelle Pflege und Betreuung auch weiterhin gewährleistet bleibt. Ich begrüße daher sehr, dass die Pflegereform weiter vorangeht. Wir brauchen bald die Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes, um noch besser auf die Anforderungen der Pflege jedes einzelnen eingehen zu können. Auch die Neuorientierung der Pflegedokumentation muss zeitnah umgesetzt werden und die gewonnene Zeit dem Menschen zugutekommen. Vielen Dank an Moritz Wahl, Geschäftsführer der Einrichtung, Frau Boock, Leiterin der Wohngruppe, und Schwester Raima, dass Sie mir diesen Einblick möglich gemacht haben!

Besuch im Informationszentrum der Seenotretter und auf dem Rettungskreuzer Berlin

Rettungskreuzer BerlinEhrenamt und Seefahrt: Kaum irgendwo treffen zwei meiner Herzensthemen so eng aufeinander wie bei den Seenotrettern der Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Meine Sommertour führte mich daher auch wie selbstverständlich ins Infozentrum und auf den Rettungskreuzer „Berlin“ in Laboe. Mit dabei waren Walter Kreft und Dieter Rauschenbach vom SPD-Ortsverein Laboe. Herzlichen Dank an Vormann Gerd Fries und Jörg Ahrend, Leiter des erst im Mai eröffneten Informationszentrums. Sie gaben mir spannende Einblicke in den Alltag der Seenotretter und die Technik des Rettungskreuzers. Besonders beeindruckte mich die Vielseitigkeit der Aufgaben an Bord und das Einsatzspektrum, dass die Seenotretter absolvieren. Die „acht Mann Besatzung“ muss mit sämtlichen Situationen vom Abschleppen über Feuer an Bord bis hin zu lebensrettenden Maßnahmen umgehen können. Was die wenigsten wissen: Die Arbeit der Seenotretter finanziert sich komplett ohne staatliche Zuschüsse. Ohne die unermüdliche Arbeit der über 1400 ehrenamtlich Engagierten , die Spenden sammeln oder im Notfall an Bord einspringen, wäre die Arbeit der Besatzungen der Rettungskreuzer undenkbar. Das Engagement vieler freiwilliger Helfer verdient höchsten Respekt.

Besuch im SOS-Kinderdorf Schleswig-Holstein in Lütjenburg

Gruppenbild„Hier dürfen Kinder wieder Kind sein.“ Nicht alle Kinder haben das Glück, behütet in einer intakten Familie aufzuwachsen. Nicht wenige haben traumatisierende Erlebnisse in ihrer Kindheit und durften nie „Kind sein“. Das SOS-Kinderdorf in Lütjenburg hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Kindern eine Kindheit und eine Perspektive zu geben. Das Konzept des Kinderdorfes macht es dabei besonders: Die Kinder werden in „Familien“ untergebracht, die von einer „Familienmutter“ betreut werden, die ebenfalls mit im Haus wohnt. Dadurch haben die Kinder über viele Jahre eine feste Bezugsperson und ein enges Vertrauensverhältnis kann entstehen. Neben den Wohngruppen für Kinder und Jugendliche betreibt das SOS-Kinderdorf auch einen Jugendtreff, eine Kita, eine Familienbildungsstätte, Schulsozialarbeit und einen heilpädagogischen Dienst. Zudem bietet es über die Agentur für Arbeit Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf in Hauswirtschaft und Küche. Mein Fazit des Besuches: Kinderschutz bedeutet vor allem Sicherheit und Perspektive. Von Geburt an Familien auf vielfältige Weise zu unterstützen ist ein guter Weg, den Start ins Leben zu erleichtern. Wenn es aber notwendig ist, muss den Kindern schnellstmöglich Sicherheit und Geborgenheit geboten werden. Vielen Dank an Dirk Baumann, Leiter des Kinderdorfes, und Tanja Nothmann, Öffentlichkeitsarbeit, für das intensive Gespräch und den Innenblick. Danke auch an Christel Seick und Eckhard Voß vom Kreisvorstand und der SPD Lütjenburg, dass ihr mich begleitet habt!

Besuch beim Kreisfeuerwehrverband in Plön

mit SchlauchNur mit starken Feuerwehren können die Aufgaben im dem Brand- und Katastrophenschutz auch in unserem Wahlkreis bewältigt werden. Als größte ehrenamtliche Organisation in meinem Wahlkreis war daher ein Besuch des Kreisfeuerwehrverbandes ein zwingendes Muss! Mit über 3200 Mitgliedern, davon 760 Jugendliche, sind die 104 freiwilligen Feuerwehren im Kreis Plön schlicht nicht wegzudenken. Drei Punkte wurden mir im Gespräch mit auf den Weg gegeben: Auch die Deiche an der Ostsee sind bei Sturmflut und Ostwind gefährdet, der Katastrophenschutz muss neu durchdacht werden und es werden dringend neue Fahrzeuge gebraucht, deren Beschaffung beim Bund in der Warteschleife sind. Danke an den Kreiswehrführer Manfred Stender, seinen Stellvertreter Olaf Meier-Lürsdorf und den Geschäftsführer Svante Lamprecht für das konstruktive Gespräch. Und lieben Dank auch an Henning Höppner vom SPD-Ortsverein Plön, der mich begleitet hat.

Besuch der Kindertagesstätte Ruthenberger Rasselbande in Neumünster

GruppenbildWährend meines Besuchs der „Ruthenberger Rasselbande“ in Neumünster kam die gute Nachricht über den Ticker: Das Bundesverfassungsgericht hat das Betreuungsgeld gekippt! Im Gespräch waren wir uns alle einig: Jetzt in Kitas investieren! Die „Ruthenberger Rasselbande“ ist eine beeindruckende Kita, die ein vielseitiges Betreuungsangebot bietet. Es wird auf erfolgreiche Weise unter Beweis gestellt, was Inklusion, Integration und Sprachförderung bewirken können. Vor allem wird auch gezeigt, wie wertvoll und wichtig frühe Chancen für unsere Kinder sind. So lernen die Kleinsten schon früh, dass kulturelle Vielfalt eine Bereicherung ist, was Mitspracherechte bedeuten und alle Menschen – mit oder ohne Behinderungen – gleich sind. Stark beeindruckt haben mich das engagierte Engagement aller und der Wert des gelebten Miteinanders. Ich bin überzeugt, eine „gute“ frühkindliche Bildung kann nur gelingen, wenn auch die Eltern aktiv miteinbezogen werden und mit den Erzieherinnen und Erziehern an einem Strang ziehen. Vielen Dank an Dietrich Mohr, Leiter der Einrichtung, für die engagierte Führung. Danke auch an Pastor Tobias Gottesleben, Beate Eckhardt von der Stadtverwaltung Neumünster und Nadja Winter, stellvertretende SPD- Kreisvorsitzende in Neumünster, für das konstruktive Gespräch. Wir alle waren uns am Ende einig: Eine „gute“ Betreuungsqualität kann nur gelingen, wenn genügend geschultes Personal eingestellt werden kann.

Besuch des mittelständischen Unternehmens Gisma Connectors in Neumünster

an GerätenMittelständische Unternehmen sind die tragende Säule für unsere regionale Wirtschaftskraft. Daher war der Besuch des mittelständischen Unternehmens Gisma mit Sitz in Neumünster zwingend Teil meiner diesjährigen Sommertour. Das Vorzeigeunternehmen für Meerestechnik hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Unterwassersteckverbindungen spezialisiert. Diese sind im Bereich U-Boote und Offshore-Windenergie unverzichtbar. Der Besuch verdeutlichte mir: Mit innovativen Produkten kann man als mittelständischer Betrieb auch auf dem Weltmarkt bestehen. Diese Marktführerrolle kommt jedoch nicht von ungefähr. Flexibilität, Kundenorientierung sowie engen Kundenkontakt und stetige Forschung über Verbesserungsmöglichkeiten zahlen sich aus. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor sind laut dem Geschäftsführer Tobias Frerck ebenso zufriedene und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben all den positiven Eindrücken sprachen wir auch über die Herausforderungen, die das Unternehmen zu meistern hat. Schon jetzt fehlt es laut dem Geschäftsführer an qualifizierten Fachkräften, insbesondere für den Bereich der Fertigung. Die Meisterausbildung verliert bei den jungen Menschen an Wert. Auch bereitet der hohe Gewerbesteuersatz in Neumünster Kopfzerbrechen und macht den Standort wenig attraktiv für Unternehmer. Danke an Herrn Frerck und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Innenblick. Ich nehme viele Anregungen für meine Arbeit mit!